Transplantation
bei Mukoviszidose | Ein Beitrag von C. Schelle
Ein neues Leben beginnt...
Eine Transplantation wird notwendig,
wenn trotz therapeutischer Maßnahmen - inklusive der
permanenten Sauerstoffgabe - Leben und Lebensqualität
so sehr beeinträchtigt sind, dass das Leben subjektiv
nicht mehr lebenswert erscheint. Für Patienten mit Mukoviszidose,
Lungenfibrose, einem Lungenemphysem, einer pulmonalen Hypertonie
(Lungenhochdruck), COPD, Alpha-1-A., LAM oder einer anderen,
schweren Lungenerkrankung bleibt eine Lungentransplantation
die einzige noch mögliche Therapieform, die eine Besserung
verspricht und das Leben retten kann. Sie kann - am Ende einer
langen Krankheit - ein ganz neues, aktives Leben schenken
und zu einer guten, ja beinahe normalen Lebensqualität
führen.
Der erste Mukoviszidosepatient
wurde im Dezember 1989 in Hannover vom Team um Prof. Dr. Haverich
transplantiert. Zu der Zeit steckte die allgemeine Organtransplantation
(kurz TX) noch in den Kinderschuhen. Man hat damals z.B. ausschließlich
Herz-Lungen-Transplantationen vorgenommen, da durch die langjährige
Sauerstoffunterversorgung bei Mukoviszidose meist auch eine
Rechtsherzbelastung vorliegt. Inzwischen weiß man, dass
sich das Herz nach einer TX weitgehend erholen kann. Es werden
somit nur noch Lungen, nicht aber Herz und Lunge transplantiert.
Lungen werden einseitig (SLTX) oder doppelseitig (DLTX) transplantiert,
je nach Grunderkrankung.
Nach der Anmeldung in einem
TX-Zentrum zur Transplantation ist erst mal Warten angesagt.
Das Zentrum meldet seinen Patienten bei Eurotransplant in
Leiden (Holland). Diese führen die europäischen
Transplantationslisten. Die durchschnittliche Wartezeit liegt
bei ca. 2 Jahren. Allerdings kann es natürlich auch jederzeit
ab Listung losgehen - auch viel früher als erwartet.
Andere Patientinnen und Patienten warten wiederum bis zu 4
Jahre. Hier ist die lange Wartezeit ein großes Problem,
da der Krankheitsverlauf voranschreitet und es dem Patienten
langsam schlechter geht. Hinzu kommen die enormen psychischen
Belastungen für Patienten und Angehörige - man sitzt
immer auf gepackten Koffern, es kann Tag und Nacht losgehen.
Hinzu kommen Fehlalarme. Eine erfahrene Ambulanz weist frühzeitig
auf Transplantation hin. Doch ist die Entscheidung oft sehr
schwer für den Patienten und der Patient wartet dann
oft noch etwas - manchmal zu lange.
Auch das Risiko, bei der
Operation zu sterben, ist nach wie vor erheblich - verglichen
mit Routineoperationen wie Blinddarm oder Leistenbruch. Wenn
allerdings der Zeitpunkt der Listung, das sog. Listungsfenster,
richtig gewählt wurde, und der Patient sich in einem
guten Allgemeinzustand befindet, dann ist die Transplantation
ein durchaus erfolgreiches medizinisches Mittel. Allerdings
können auch postoperativ, das heißt nach der OP,
Komplikationen auftreten. Im ersten Jahr sind dies vor allem
akute Abstoßungsreaktionen oder Infektionen durch Bakterien,
Viren oder Pilze, hervorgerufen durch das medikamentös
abgesenkte Immunsystem. Diese künstliche Absenkung wird
benötigt, damit das Fremdorgan nicht vom Körper
abgestoßen wird.
Nach der Transplantation
und einem guten Verlauf kann der Patient im Normalfall nach
3 Wochen nach Hause entlassen werden. Anschließend ist
weitere Mobilisation, Kräftigung und eine gute Patientenschulung
notwendig. Hier ist für jeden selbst zu überlegen,
ob nicht eine Anschlussheilbehandlung eine gute Maßnahme
wäre.
Nach der gelungenen Transplantation
beginnt für den Patienten ein ganz neuer Lebensabschnitt.
Dank der wieder gewonnenen körperlichen Leistungsfähigkeit
sind TXler in der Lage, selbständig und aktiv ihr Leben
in die Hand zu nehmen. Aber eine Transplantation ist auch
ein dauernder Drahtseilakt zwischen Abstoßung und Infektion:
Gibt man zuviel Immunsuppressiva, dann kann bleibt das Organ
zwar von Abstoßungen verschont, der Patient kann sich
aber nicht vor allgemeinen Infektionen schützen. Gibt
man zuwenig Immunsuppressiva, dann erhöht sich die körpereigene
Abwehr und das Fremdorgan kann Schaden nehmen. Der längerfristige
Erfolg ist stark abhängig vom eigenen "Gesundheitsmanagement",
von der eigenen Disziplin und von der regelmäßigen
und kompetenten Nachbetreuung am TX-Zentrum. Regelmäßige,
ambulante Kontrollen in der Transplantationsambulanz gehören
zu einer erfolgreichen TX dazu wie die eigene tägliche
Lungenfunktionsmessung zu Hause. |